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Frankfurter Neue Presse, Mittwoch, 06. November 2013

"Es sieht wüst aus, das Gelände der Kinderfarm Jimbala in Friedberg. So ganz anders, als sich vielleicht Erwachsene das Paradies Jimballa für Kinder vorstellen, auf dessen Suche sich Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer machen. Und doch genau das ist es.

Friedberg. Schwer zu finden war der Kontinent Jamballa (nach der Krönung von Jim Knopf Jimballa), ähnlich ergeht es jenen, die sich auf der Suche nach der Kinderfarm Jimballa in Friedberg machen. Unter den 24 Hallen und zwei weitere Brücken geht es hindurch, bis man vor dem Gelände steht, auf dem Kinder ihrer Kreativität freien Lauf lassen können..."

Der Käpt’n im Lütten-Paradies

06.11.2013 Von Thomas Kopp Es sieht wüst aus, das Gelände der Kinderfarm Jimbala in Friedberg. So ganz anders, als sich vielleicht Erwachsene das Paradies Jimballa für Kinder vorstellen, auf dessen Suche sich Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer machen. Und doch genau das ist es.

In Skandinavien häufiger zu finden sind diese Komposttoiletten.

Friedberg. 

Schwer zu finden war der Kontinent Jamballa (nach der Krönung von Jim Knopf Jimballa), ähnlich ergeht es jenen, die sich auf der Suche nach der Kinderfarm Jimballa in Friedberg machen. Unter den 24 Hallen und zwei weitere Brücken geht es hindurch, bis man vor dem Gelände steht, auf dem Kinder ihrer Kreativität freien Lauf lassen können.

„Eine Kinderfarm, was ist das? Züchtet man da Kinder?“ Fragen wie diese hat Vereins-Vorstandsmitglied und gute Seele Hannes Motsch schon oft gehört. Ist es nicht. Aber auch keine Kita. Sondern ein sehr ungewöhnlicher Spielplatz. „Die Idee haben wir aus Dreieich. Unsere Vorsitzende Karin Johannsmann arbeitet dort, sie brachte die Idee mit. Und wir fanden sie toll“, berichtet Motsch.

2009 war das. Der Verein bemühte sich um ein Grundstück, bekam es auch von der Stadt zugesprochen, errichtete dort erst einmal ein Maislabyrinth. Wegen sich verändernder politischer Verhältnisse ging es für das Projekt aber erstmal wieder aufs Abstellgleis. Der Verein blieb dran. 2011 bekam er das Grundstück endgültig, musste es aber selbst mit Strom, Wasser und Zufahrt erschließen. „Das kostete 60 000 Euro und viel Arbeit in Eigenleistung“, berichtet Motsch, der als Bauunternehmer einige Materialien beisteuern konnte.

Völlig freie Hand

Irgendwann war es dann geschafft. Seitdem kommen die Kinder und auch Jugendliche an jedem ersten und dritten Sonntag im Monat (im Winterhalbjahr von 15 bis 18 Uhr). Eltern kommen mit, 70 Familien sind inzwischen dabei. Sie zahlen 20 Euro Mitgliedsbeitrag pro Jahr. Während die Kinder herumtoben, helfen manche Eltern an neuen Projekten mit, andere setzen sich auf Bänke und reden. Ein kleiner Bauwagen dient bei extremen Wetter als Unterkunft, die restlichen Bauwagen beinhalten Material. Werkzeuge sind in einem in einen Erdwall eingelassenen Verschlag gelagert.

Doch auch das erklärt noch nicht, was eigentlich auf der Kinderfarm geschieht. „Das Besondere ist, dass die Kinder freie Hand haben. Sie planen, entwerfen, bauen und verändern. Nichts hier ist für die Ewigkeit, alles dem ständigen Wandel unterworfen“, sagt Motsch.

Angefangen hat es etwa, als die Kinder einen Drachen aus Holz bauen wollte. Der Drache steht noch, aber er verwittert. Er wird irgendwann abgerissen, was noch zu gebrauchen ist, wird weiter verwendet. „Manche Eltern können nicht verstehen, dass das hier genau das ist, was Kinder wollen. Denn ausgefeilte Spielgeräte sind für sie nicht so wichtig. Aber sie können hier ihrer Phantasie freien Lauf lassen“, schildert Motsch weiter.

Natürlich helfen die Erwachsenen mit, aber nur soweit wie nötig. Sie machen neue Installationen sicher, auch wenn es keine so strengen Tüv-Vorschriften wie bei den üblichen Spielplätzen gibt. Bei komplizierteren oder gefährlichen Arbeitsvorgängen sind sie ebenfalls zugegen.

Aber die Planung kommt von den Kindern. Ein Barfußpfad ist inzwischen nur noch fragmentarisch zu erkennen, dafür soll der Natur- uund Kräutergarten auch in Zukunft noch eine große Rolle spielen. Die Erdwälle werden ebenfalls reichlich benutzt. „Hier haben Kinder Laub platziert, so dass sie die Hügel hinunterrollen können“, freut sich Motsch. Größtes Spielgerät derzeit ist ein Piratenschiff, das die Kinder anzieht.

Für das Projekt gab es schon viel Unterstützung. Das Deutsche Kinderhilfswerk stellte 2500 Euro zur Planung eines Traumspielplatzes bereit, von der Fanta-Initiative 100 Spielplätze in 100 Tagen kamen weitere 1000 Euro. Vor kurzem erhielt der Verein weitere 1000 Euro als einer der Hauptpreisträger des Deutschen Bürgerpreises in der Wetterau (die FNP berichtete).